Der Mensch braucht Feindbilder. Jeder. Feindbilder sind gut. Feindbilder sind etwas feines. Sie führen zu einem Gemeinschaftsgefühl innerhalb der hassenden Gruppe, festigen diese und sorgen durch destruktive, unfundierte, abstruse Äußerungen über den Feind zu einer Stärkung des eigenen Selbstbildes und erhöhen das Selbstwertgefühl.
Und der Mensch hegt und pflegt seine Feindbilder seit Jahrtausenden, erfindet bei Bedarf neue oder recycelt ältere.
Die Amerikaner hassten die Iren. Die Iren die Engländer. Die Engländer die Franzosen. Die Franzosen uns. Wir die Polen. Die Polen die Russen. Die Russen die Demokratie und vor allem Amerika. Die Amerikaner hassen weniger und fürchten sich im Grunde nur die ganze Zeit, was am Ende auch wieder wie hassen aussieht. Aktuell fürchtassen sie sich vor allem vor Muslimen. Die hassen sich zum Teil gegenseitig, dann aber auch gerne die Israelis. Die hassen mit Inbrunst zurück.
Die Liste kann endlos fortgesetzt werden. Protestanten. Katholiken. Hutu. Tutsi. Kommunisten. Atheisten. Agnostiker. Veganer. Menschen, die auf der Autobahn zu langsam fahren. Leopardenprintleggingsträger. Omas, die an der Kasse ihr gesamtes, innerhalb der letzten sieben Jahre gesammeltes Kleingeld rauskramen. Etc. etc. etc.
(Dylan Moran. Ein Mann, der etwas von Feinbildern versteht)
Suchen Sie sich einen aus. Sie haben die freie Wahl und wenn Sie ganz wild drauf sind, dürfen Sie auch mehrere gleichzeitig hassen. Falls Sie Katholik sind, empfehle ich Ihnen das Kombi-Paket "Ungläubige", in dem sowohl Protestanten, Muslime als auch Juden enthalten sind.
Das geht seit Ewigkeiten so.
Und wird auch in alle Ewigkeiten so weitergehen.
Woher ich das weiß?
Star Trek.
Romulaner gegen Vulkanier. Bajoraner gegen Cardassianer. Borg gegen alle. Glauben Sie mir: Es hört nie auf.
Wer das Gegenteil behauptet, ist, meiner bescheidenen Meinung nicht nur naiv, sondern schlichtweg dumm. Und dumme Menschen sind übrigens mein bevorzugtes Feindbild.

(Ein dummer Mensch)
Geben Sie sich bitte nicht der kantschen Illusion hin, der Mensch wäre von seiner Vernunftbegabung her zu mehr fähig, als mit Messer und Gabel zu essen. Der Mensch ist ein nackter Schimpanse, der irgendwann angefangen hat Unterwäsche zu tragen und sein Essen zu kochen und das war's dann auch. Das mag sich nicht schön anhören, aber das ist die Wahrheit oder Mutter Natur eben selten.
Und wissen Sie, so unschön sich das ganze Hassen, das Niederbrennen von Gebetshäusern und das Niedermeucheln Anderdenkener in den Geschichtsbüchern auch macht, so sind wir nun mal. Das müssen wir akzeptieren. Wir sind nun mal klein, traurig, schwach. Wir können nicht anders. Sind wie dieser furzdämliche Skorpion in der Metapher. Es ist eben unsere Natur.
Stimmen Sie mir da zu?
Oh, mein Gott, ich hoffe nicht!!
Selbst ich weigere mich, mir da zuzustimmen und das einfach hinzunehmen. Freilich sind wir so, wie oben beschrieben, ich wäre nicht die, die ich bin, wenn ich netter über meine eigene Spezies denken würde.
Nur hin und wieder bin selbst ich überrascht von der grenzenlosen Debilität, mit der manche Menschen ihre Feindbilder wählen, nur um sich nicht mit sich selbst auseinander setzen zu müssen, und ich weigere mich das einfach hinzunehmen. Weil es nervt. Weil mich solche Menschen noch mehr nerven, als ohnehin schon.
An dieser Stelle jahrhundertealte Feindbilder auseinander zu wirren und soziologisch aufzuzeigen, warum nach zweitausend Jahren der Jude immer noch so ein herrlich beliebtes, jedoch eigentlich obsoletes Feindbild auf diesem Planeten ist, wäre müßig. Denn die Meschuggenität von Feindbilder offenbart sich vor allem in den aktuellen Feinbildern.
Natürlich haben wir auch heute noch Angst vor Andersgläubigen, vor allem, wenn sie sich erdreisten wollen, ihre architektonisch fragwürdigen Gebetsdinger irgendwo hinzubauen, wo wir am Wochenende auf dem Weg zum REWE dran vorbeifahren müssen. Und natürlich zelebriert z.B. der Amerikaner seine gute, alte Xenophobie, als würde er damit irgendwann einen Preis gewinnen können.
Aber eine neue Art von Feinbild macht sich inzwischen breit, die ich dermaßen albern finde, dass mir dazu noch nicht einmal eine passende Metapher einfällt.
Wir reden von dem Feinbild, das ich jetzt einfach mal unter dem Kombi-Paket "Zukunft" zusammenfasse. Weil Technik und so.
Denn es gibt sie.
Menschen, die Google hassen. Twitter. Facebook.
Menschen, die das Internet an sich hassen.
Menschen, die Apple hassen.
Sehen wir mal von der Tatsache ab, dass ich hier neben meinem Buddhaschrein auch einen kleinen Altar habe, auf dem ich dem Internet und all meinen Apple-Produkten huldige.
Sehen wir auch mal von der Tatsache ab, dass all das keine Menschen sind. Auch keine identitätsstiftende Gruppe. Ja, noch nicht mal eine Partei oder Verein oder Religion oder ähnliches.
Nichts verkörpert besser die Abstrusität von Feindbildern, als Facebook als Feindbild zu haben.
Menschen, die Stunden und Tage ihres Lebens damit verschwenden, sich darüber zu beschweren, zu erläutern, warum es schlecht und böse ist und mit unseren Daten so leichtfertig umgeht, wie eine Hafennutte mit Geschlechtskrankheiten. Menschen, die offenbar nichts anderes zu tun haben.
An diese Menschen möchte ich ein paar Worte richten.
Liebe Nulpen.
Wenn Sie Nutella hassen, weil es Ihnen nicht schmeckt oder Sie die Firma Ferrero per se scheisse finden, was machen Sie da? Genau. Sie kaufen es einfach nicht.
Also, wenn Sie Apple scheisse finden, weil Sie meinen, es sei eine faschistoide Maschinerie, kaufen Sie sich doch einfach keine Apple-Produkte. Niemand zwingt Sie.
Wenn Sie Facebook hassen, weil Sie es unübersichtlich finden und Sie sich und Ihre Daten dort nicht gut aufgehoben fühlen, melden Sie sich dort nicht an. Niemand zwingt Sie.
Und wenn Sie nicht wollen, dass Google Ihre Sucheingaben speichert oder ähnlich böses, dann nehmen Sie Ihren PC (einen Mac haben Sie ja nicht..), kappen die Internetverbindung und ziehen in eine Tropfsteinhöhle und hören den Fledermäusen beim Kacken zu.
Wissen Sie, es gibt Feinbilder, die sind gute Feinbilder. Hitler: Gutes Feindbild. Wasser: Schlechtes Feindbild. Roten Khmer: Gutes Feindbild. iPhone: Schlechtes Feindbild. Borg Queen: Super Feindbild. Kondome: Schlechtes Feindbild.
Sie verstehen die Logik?!
Feindbilder sind etwas, womit man sich auseinandersetzen sollte, womit man sich auseinandersetzen muss, wenn sie das Leben von Menschen auf eine negative Weise beeinflussen, auf eine Weise, der man sich nicht entziehen kann, selbst, wenn man wollte!
Sie können sich Facebook entziehen. Müssen sich nicht anmelden. Nicht partizipieren. Ihre Daten nicht preisgeben. Sie können es komplett ignorieren und Ihr Leben weiterleben. Aber falls Sie sich entschließen, sich dort anzumelden, geben Sie nicht Facebook die Schuld.
Da Sie auch wählen gehen dürfen, gehe ich davon aus, dass irgendjemand irgendwo der Ansicht ist, Sie haben ein funktionierendes Gehirn und einen freien Willen. Nutzen Sie beides doch mal zur Abwechslung.
Vielleicht sogar gleichzeitig.
[Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the
internet). If I violated any copyrights you might have, please do not
hesitate to contact me and I will remove the picture.]
Kommentare:
Der Ratschlag die Dinge zu meiden die man hasst greift meiner Ansicht nach nicht immer. Denn ich hasse den Kater, dennoch trinke ich gerne. So ist das auch bei Apple, ich hasse die Methodik Apples mit der man Kunden bindet und doch habe ich mich in die Ergonomie der Geräte verliebt. Wir bewundern was wir hassen, auch wenn die meisten das niemals so zugeben würden.
Ganz besonders mag ich die letzten beiden Absätze. Sie sind so allgemein anwendbar. Einfach schön.
Danke fuer einen weiteren tollen Artikel :)
Wobei ich das mit der Vernunft und dem Freien Willen fuer immer unwahrscheinlicher halte.
Und das nicht nur, weil man eben doch jeden Tag in den Nachrichten wenig subtile Hinweise auf das Nichtvorhandensein dieser erfaehrt. In diesem sehenswerten Talk von Sam Harris erlaeutert er das meiner Meinung nach ganz vortrefflich: http://www.youtube.com/watch?v=pCofmZlC72g (und bitte nicht von dem Typen, der die Anmoderation macht, abschrecken lassen :))
Verehrteste,
dieses Mal sind Sie über's Ziel hingeschossen.
Es geht nicht darum, ob ich ein Feindbild mit Namen (beispielsweise!) Facebook habe oder nicht; es geht nicht darum, ob ich mich dort angemeldet habe und etwas von mir preisgebe oder nicht.
Es geht darum, dass Facebook (immer beispielsweise!) die Gesellschaft, in der ich lebe, auf eine unkontrollierbare und unkontrollierte Art verändert, und ich mich dem nicht entziehen kann.
Ihre Aussage klingt teilweise so, als daß unsere Großeltern anno 44 nicht ausgebomt worden wären, hätten sie nicht die NSDAP gewählt - und Opa hätte hätte auch nicht in sowjetische Gefangenschft gemusst . . .
Liebe/r Anonym,
hätten unsere Großeltern (und zwar alle) nicht die NSDAP gewählt, wären sie nicht ausgebombt worden. Ganz richtig. Und Sie glauben tatsächlich soziale Netzwerke würden die Gesellschaft verändern? Surly? Glauben Sie auch, Spiegel zeigen nicht Ihr Ebenbild sondern eine andere Welt? Wissen Sie, Angst lässt uns irrational werden. Versuchen Sie es nochmal mit der Logik.
Herzlichst, Anonym
Auf fast schon schizophrene Weise definiert der Mensch sich von alters her auf zwei Arten:
a) durch das, was er hasst, wie Sie richtig bemerken, dies dient dazu, sich von anderen abzugrenzen.
aber auch
b) durch das, was wir lieben.
Der Mensch neigt nun dazu, Gemeinschaften zu bilden. das kann er dadurch erreichen, dass er sich mit anderen das gemeinsame verhasste Feindbild teilt, oder auch, dass er sich die Leute sucht, die das selbe lieben wie er selbst.
ZU wünschen wäre mehr, dass sich Gemeinschaften auf dem zweiten, statt auf dem ersten bilden.
Verehrteste,
dieses Mal sind Sie schwer auf dem Holzweg:
hätten alle (!) unsere Großeltern nicht die NSDAP gewählt, wäre niemand ausgebombt worden – dem kann man zustimmen. Dies widerlegt aber nicht die unleugbare Tatsache, daß Wähler und Nichtwähler gleichermassen ausgebomt wurden. Insofern ist Ihre Erwiderung auf meine Aussage weit daneben. Aber egal, der Applaus Ihrer Fan-Gemeinde ist Ihnen gewiss. Aber: wenn Sie nochmal in Ruhe drüber nachdenken . . .
Ob soziale Netzwerke die Gesellschaft verändern? Soll das ein Witz sein? Jetzt enttäuschen Sie mich.
Hat der Buchdruck die Welt verändert – die Leute mussten das Papier doch jetzt bloss nicht mehr per Hand vollschreiben. Ansonsten war doch alles wie vorher, oder?
Haben Fotografie, Telegraphie, Rotationspresse, Auto, Flugzeug etc. nur bestehende Möglichkeiten bzw. Techniken durch neuere ersetzt, oder haben sie die Welt verändert?
Hat die Dampfmaschine auf den Schiffen des 19. Jh. nur die Segel ersetzt, oder diente diese technische Errungenschaft auch der Festigung der Britischen Empires?
Haben Word und Excel nur die Schreibmaschine, Tipp-Ex und den Taschenrechner ersetzt?
Wohl kaum, nicht wahr?
Leben bedeutet Veränderung. Viele Menschen haben davor keine Angst. Angst haben diese Menschen vor Leuten, die glauben, daß nur eine Technik, eine Möglichkeit durch eine andere ersetzt wird, und sonst alles bleibt wie gehabt.
Nichts ist falscher als das. Aber wie hat mal jemand geschrieben: Fehler haben die Eigenschaft zeitlos zu sein und stets wiederholt zu werden.
In diesem Sinne: Gute Nacht
Huhu, lieber Anonym!
Vielleicht mal etwas sorgfältiger lesen? Ich habe kein Kommentar geschrieben, sondern ein weiterer Mensch, der anonym bleiben möchte.
Ich kann sehr gut damit leben, wenn jemand anderer Meinung ist als ich, aber dann doch bitte nur in Bezug auf Texte, die auch wirklich ICH geschrieben habe, ja?!
Danke. Schönen Tag noch!!
Claudia <-- Mein Name.
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