Samstag, 31. Dezember 2011

In diesem Sinne

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Es ist geschafft.

Also fast.

Ich hoffe, dass euer 2011 ein gutes war und falls nicht, wünsche ich euch aus der Tiefe meines pechschwarzen Herzens, dass das neue Jahr ein besseres werden wird.

Dem ein oder anderen wird es nicht entgangen sein, bei mir war 2011 doch so einiges los. Viele Veränderungen. Ich mag Veränderungen nicht wirklich, aber diese waren nötig. Wie genau es 2012 weitergehen wird, weiß ich jetzt noch nicht. Das betrifft auch dieses Blog.

Dennoch wünsche ich euch heute Abend viel Spaß, viel Sekt oder andere gehirnzellenvernichtenden, alkoholische Getränke, viel Käse auf dem Raclettepfännchen und generell 'nen guten Rutsch. Insbesondere für die letzten Monate möchte ich mich bei euch bedanken.

In diesem Sinne
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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Men deserve your entire attention!!

Sie sind immer noch Single?

Sie sind angesichts dieses Zustands unglücklich?

Aber Sie haben an Silvester zumindest ein flottes Date klargemacht und hoffen nun, dass Sie den Penisträger bezirzen und ihn für das kommende Jahr als Herzblatt gewinnen können?!

Sie hatten diese Hoffnung jedoch auch schon an den fünf Silvesterabenden der letzten Jahren und aus Gründen, die sich Ihnen nicht erschließen, hat es nicht geklappt?!

Keine Sorge.

Ich bin ja da.

Und ich hätte hier ein paar Tipps, die Sie aufgrund Ihrer ansonsten aussichtslosen und tragischen Existenz vielleicht besser nicht ignorieren sollten:

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Ich bin sehr sicher, wenn Sie diese simplen Ratschläge befolgen, wird das 2012 auch was mit der Liebe. Und falls Sie den Verdacht haben, dass er trotzdem nicht anbeisst, herrje, dann fummeln Sie zumindest ein bisschen auf dem Autorücksitz, damit der Abend nicht völlig umsonst war.

In diesem Sinne: Feiert schön. Und immer an Verhütung denken!

 

Dienstag, 27. Dezember 2011

Ich kann nicht anders

Der Geschichtsunterricht an meinem Gymnasium war eine Farce. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Ich weiß nicht, ob es an meinem Geschichtslehrer selbst lag oder an mangelnder Absprache innerhalb der Schule. Wir nahmen gefühlte fünfzehn Mal die Französische Revolution durch, etwa sieben Mal den Ersten Weltkrieg und geschätzte 7.924-mal den Zweiten Weltkrieg. Ansonsten lauschten wir hauptsächlich Urlaubsmonologen unseres Lehrers Rudolf R., der versuchte die ihm beim Ägyptenurlaub angedrehten Papyruszeichnungen an uns weiter zu verkaufen.

Dementsprechend hegte ich spätestens ab der Mittelstufe eine gewisse Abneigung gegen Hitler und alles, was mit dem Seitenscheitel zusammenhing. Jetzt ist es generell nicht schlecht, sondern eher erstrebenswert, eine gewisse Abneigung gegen Hitler zu entwickeln. Aber wie fast jeder in meiner Generation wurde ich regelrecht überfüttert mit diesem Thema und begann automatisch mit den Augen zu rollen, wenn jemand in Hörweite was von der NSDAP, Polenfeldzug, Stauffenberg oder Holocaust sagte.

Die Generation, die es noch betraf, schwieg es tot.

Die nächste redete das Thema zu Grabe.

Und die jetzige fragt sich, warum es, wie ein Zombie, immer und immer aus eben diesem Grabe aufersteht und nicht endlich liegenbleibt.

Ich weiß nicht mehr, wieso oder wann es passierte, aber irgendwann begann sich meine Einstellung zu diesem Thema zu ändern. Die Gesichter bekamen Namen, zu den Namen gesellten sich ihre Geschichten und plötzlich waren es keine Unbekannten mehr, es waren greifbare Menschen und ihre Geschichten glichen nicht denen von anderen.

Da war kein Zauber der Vergangenheit, kein Pathos, keine Mythen, keine gordischen Knoten, die durchschlagen wurden, kein Häuflein mutiger Griechen, die sich an den Thermopylen todesmutig den Persern entgegen stellten, keine Vipern, die an wogende Pharaonenbrüste gedrückt wurden.

Da waren nur Menschen. Gewöhnliche Menschen. So durchschnittlich, so normal, dass sie beinahe farblos wirken. Durchschnittliche Menschen die auf andere durchschnittliche Menschen trafen. Geronnenes Blut auf nacktem Asphalt. Pistolenschüsse, die die Stille eines Ghettos durchrissen. Tuckernde Automotoren, die Abgase ins Innere pumpten. Der Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft. Haufen von blassem, weißen Fleisch auf noch mehr blassem, weißen Fleisch. Leblos. Kafkaesk. Albtraumhaft. Zwölf Jahre, die die Abgründe einer Spezies bloßlegten, wie es rund 3.000 Jahre menschliche Geschichte zuvor nicht geschafft hatten.

Dieses Thema interessiert mich nicht, weil ich Deutsche bin.

Ich bin nicht Atlas, ich trage nicht die fleischgewordene Schuld eines Volkes auf meinen Schultern.

Es gibt eine derartige Schuld nicht.

Es gibt nur das Entsetzen, wozu meine eigene Art fähig ist. Und meine ureigenste Eigenschaft immer wieder aufs Neue entsetzt zu sein, dass die Evolution etwas hervorgebracht hat, was dermaßen gestört sein kann.

Nichts, was ich jemals tun würde, würde daran etwas ändern. Weil der Mensch sich nicht ändern kann. Er ist was er ist. Ein Wolf. Und ein Lamm zugleich.

Irgendwann, in einigen hundert Jahren wird die Shoa mit denselben Blicken betrachtet wie das Massaker Alexanders an den Thebanern, wie die Pogrome im Mittelalter. Als etwas unwirkliches in der Vergangenheit. Nebulös. Abstrakt. Etwas was unbekannten, namenlosen Gesichtern passierte.

Auch dann wird man noch wissen, wer Adolf Hitler war.

Doch niemand wird wissen, Wikipedia hin oder her, wer Mala Zimetbaum war.

Wir tragen nicht die Schuld an der Shoa.

Wir tragen lediglich die Schuld, dass die Menschen dahinter vergessen werden.

Und das ist vermutlich der Grund, der einzige, warum ich mich nicht so einfach entscheiden kann, die Dissertation hinzuschmeissen. Weil ich diese Menschen kenne. Ihre Gesichter, ihre Geschichten, ihren Alltag, ihr Leben, ihr Leiden, ihren Kampf, ihre Entschlossenheit, ihren Mut. Ihnen den Rücken zu kehren, mich anderen Dingen zu widmen, dem Hier und Jetzt, fühlt sich für mich falsch an.

Und ich kann nichts gegen dieses Gefühl tun.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Weihnachtsdingsbumms

Es ist ja so.

Es ist zwar Donnerstag.

Aber es ist auch kurz vor Weihnachten.

Und ich bin in Bonn.

Und es ist schon spät, weil ich hier.. dings.. Menschen treffen und so.. Geschenke kaufen.. Poffertjes essen.. Weihnachtsmarkt mit meiner Anwesenheit belästigen.. Holzspielzeug und ausgefallene Kerzen begaffen.. Glühwein trinken.. heißen Kakao mit Baileys trinken.. Punch trinken.. etc. etc. Dieses Real Life ist halt nix für jeden und es nimmt mich vollends in Beschlag.

Aber ich vermute, euch geht es da nicht anders. Daher wünsche ich euch an dieser Stelle, statt eines schnoddrigmotzenden Posts, nur schöne Festtage, egal, ob ihr sie alleine, im Kreise eurer Lieben oder (!) eurer Familie verbringt.

Wir hören in einer Woche wieder von einander, wenn der ganze Wahnsinn vorbei, die Geschenke verteilt bzw. wieder umgetauscht wurden und ich vor allem wieder in Berlin bin.

Bis dahin: Seid nett zu einander. Lächelt. Oder täuscht zumindest ein Lächeln vor. Denn darum geht es an Weihnachten: Eisern so zu tun, als hätte man alle ganz doll lieb und als wünsche man sich nicht gerade ans andere Ende der Welt.

Und nun entschuldigt mich bitte, ich muss bis Samstag noch ein paar Weihnachtskarten basteln.

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Und immer daran denken: Ich hab' euch *hust* ganz doll lieb.

Dienstag, 20. Dezember 2011

'sch promoviere

Manchmal glaube ich "normale Familien" gibt es nicht. Überall, wohin ich sehe, proklamiert ein jeder, dass seine Familie die meschuggenste von allen sei. Es wird geradezu ein Wettkampf ausgetragen und mit viel Elan und Emphase alle Neurosen und Psychosen der einzelnen Familienmitglieder aufgezählt, um sich gegenseitig zu übertrumpfen. Als Preis gibt es am Ende das mitleidige Kopfschütteln der anderen, die nonverbale Zustimmung "Ja, scheisse, dir geht es von uns allen wirklich am schlimmsten."

Es wäre nun ein leichtes für mich aufzuzählen, warum meine Familie die gestörteste ist, warum ich euer Mitgefühl und zustimmendes Kopfnicken am ehesten verdiene, aber es ist Weihnachten und ich möchte nicht Gefahr laufen, dass sie das hier lesen und ich keine Geschenke bekomme.

Ich fliege morgen nach Hause. Für eine Woche. Und ich freue mich. Denn trotz allem mag ich meine Familie. Das einzige, was ich nicht mag, ist mit ihnen über mein Leben zu reden. Denn es gibt nunmal den unzerstörbaren Irrglauben in meiner Familie, dass ebendieses zur Diskussion stünde.

Schnell kann ein harmloses "Wie läuft's bei dir?" zu einer stundenlangen Schlacht über potentielle Fehlentscheidungen meinerseits führen, die damit endet, dass irgendjemand* mit hochrotem Kopf, vor Wut heulend und Vulgäres vor sich hinbrummelnd fluchtartig das Haus verlässt.

(*ich)

Nun befinde ich mich ja Gott sei Dank theoretisch in der Situation, dass ich, auf die Frage "Und was machst du jetzt in Berlin?", mit "'sch promoviere!" antworten kann. Das hält einem die Geier vom Leib. Vielleicht lasse ich mir auch noch ein T-Shirt bedrucken, auf dem 'sch promoviere steht, dann muss ich beim Heiligabendgelage zum Beantworten der Frage nicht runterschlucken und kann, munter weiterkauend, mit dem Besteck auf meine Brust deuten. Ich deute gerne auf meine Brust.

Es gibt nur ein Problem, das dem treuen Blogleser sicherlich nicht verborgen geblieben ist.

Denn in meinem Köpfchen hat sich der kleine Zweifel festgezeckt. Der kleine Zweifel ist der kleine Bruder des kleinen Hungers und ist von ähnlich nervtötender Natur. Der kleine Zweifel sitzt in meiner Großhirnrinde und knabbert, wie ein stoischer Koala an seinem Eukalyptus, an meinen Synapsen herum. Tag für Tag wächst der kleine Zweifel, wodurch er durchaus dann doch mehr Ähnlichkeit mit einem Tumor als mit einem Koala hat. Inzwischen ist der kleine Zweifel ziemlich groß und ich beginne hin und wieder, zögerlich noch, meine Zweifel laut kundzutun. Da der kleine Zweifel sehr nuschelt, sind meine Ausführungen zur Frage "Und was willst du stattdessen machen?" dementsprechend verworren und konfus.

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Dabei ist die Antwort eigentlich, in der Theorie, simpel. Sie lautet: "Was mit Kunst." Das Problem ist die altbekannte Folgefrage, die da heisst: "Aha. Und wie willst du davon leben?", die ich nur mit einem naiv-ahnungslosen Schulterzucken beantworten kann.

Und dennoch.

Es muss getan werden. Es kann nicht länger warten. 29 Jahre lang habe ich Dinge getan, für die ich nur ein mäßiges Interesse hatte. 29 Jahre reichen aus. Meint zumindest der kleine Zweifel.
Also muss es anders werden.

Es muss einfach.

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Freitag, 16. Dezember 2011

Lynn

"Lynn!" sagte ich "Lynn, ich brauche ein paar Fotos. Und ich möchte, dass sie jemand macht, der mehr als ein iPhone halten und Instagram benutzen kann."

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Lynn Lauterbach ist 28 und richtige Fotografin. Sie ist geschätzte 1,50m groß (genau kann ich das nicht sagen, bei meiner Körpergröße wirkt alles, was kleiner als 1,75m ist wie ein Hobbit), ist zierlich und über und über tätowiert. Ihre Kamera ist fast so groß wie sie selbst und wiegt vermutlich das Dreifache ihres Körpergewichts. Wir kennen uns seit 2009, als wir gemeinsam den tollkühnen Versuch unternahmen, uns auf ein DSDS-Casting zu schleichen und dabei auf geradezu grandiose Art und Weise scheiterten.

Nun, gut zwei Jahre später finden wir beide uns an einem Vormittag im Sankt Oberholz in Berlin wieder, wo wir völlig natürliche und ungestellte Fotos schießen..

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..wobei wir großen Wert darauf legen, uns von der Apple-geilen Klientel des Etablissements abzuheben. Ansgar selbst konnte sich eines kurzen Grinsens nicht erwehren, als er an uns vorbeilief. Vermutlich auf dem Weg zur nächsten Club Mate Lieferung.

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Wer behauptet, dass man sich ohne MacBook bzw. Laptop nicht in diesen Laden trauen kann, nun, dem haben wir eindrucksvoll bewiesen, dass man auch ohne unfassbar beschäftigt dreinschauen und einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen kann.

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Nach getaner Arbeit blieb noch kurz Zeit für ein paar Seiten Lektüre und eine entspannte Pfeife. Also theoretisch. Ich weiß ja noch immer nicht, wie man Pfeife raucht. Nicht, dass mich das hindern würde so zu tun, als würde ich sie rauchen.

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Anschließend zogen wir weiter durch die Hauptstadt, wobei Lynn mich wieder und wieder an meine körperlichen Grenzen trieb und mich unter Androhung von Gewalt und dem Schlachtruf "TU ES FÜR DIE KUNST!!" u.a. zwang mich auf's Brückengeländer zu setzen. Diese Frau ist vielleicht nur 1,20m groß, aber sie war bei der Bundeswehr und seit Rommel habe ich niemanden mehr getroffen, der so knallhart war.

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Zu guter letzt verstörten wir die Angestellten bei Dussmann mit unserer Anwesenheit - im Nachhinein noch einmal Danke, dass Sie uns nicht rausgeschmissen haben, ich habe Ihnen ja im Gesicht angesehen, dass Sie soooo kurz davor standen - und unternahmen einen letzten, verzweifelten Versuch meinen ignoranten, begrenzten Geist fortzubilden..

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..bevor ich schließlich alle Hoffnung fahren ließ und mich der neuzeitlichen Weltliteratur widmete.

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Alles in einem war es ein sehr schöner Tag, Lynn hat sehr schöne Fotos geschossen und ich schreibe das nicht nur, weil sie mit einem weniger schönen Baseballschläger neben mir steht. Dass ich ihre Fotos noch einmal durch Instagram gejagt habe, möge sie mir verzeihen, ich bin und bleibe ein Fotoblasphemiker.

Mehr von Lynn finden Sie übrigens hier. Oder Sie liken ihre Arbeit direkt bei Facebook!

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Donnerstag, 15. Dezember 2011

Gute Nacht!

Es ist halb zwölf. Nachts. Ich habe vor wenigen Minuten die Tür hinter mir geschlossen. Erneut habe ich zwei Stunden gebraucht, um mich bis in diese kleindeutsche Exklave der Stadt Berlin durchzuschlagen. Zombiesk sitze ich blinzelnd am Schreibtisch, starre auf die Uhr, die mir drohend verkündet, dass ich noch etwa 25 Minuten für diesen Post habe. Ich habe keine Kraft zum gleichzeitigen Denken und Tippen, denn ich brauche meine ganze Energie, um meinen Schädel daran zu hindern, mit ganz viel Kawumms auf die Tastatur zu knallen. Es ist schließlich eine weiße Apple Tastatur und ich bin recht sicher, dass ich das Blut und die Gehirnbrösel nur schwer wieder aus den Tastaturzwischenräumen popeln kann. Und dazu habe ich aktuell wirklich keinen Nerv.

Ich mache mir einen großen Becher heißen Kakao mit Sahne und einem Schuss Amarula, okay, eigentlich ist es der Putzeimer aus der Küche, in den ich zwei Flaschen Amarula, eine Dose Sprühsahne und einen Schuss heißen Kakao gegossen habe, aber wer will um diese Uhrzeit denn kleinlich sein? Doch weder der "Kakao" noch eine aktuelle Folge "Mitten im Leben" aus der RTL-Mediathek schafft es meinen übernächtigten Geist zu erwecken.

Noch zwanzig Minuten bis Mitternacht. Irgendjemand aus dem intellektuellen Prekariat möchte bei "Mitten im Leben" unbedingt schwanger werden und Sinn und Zweck der natürlichen Selektion erneut ad absurdum führen. In sechs Stunden klingelt der Wecker, da ich zum Jobcenter fahren muss, um dort auf weitere Auslaufmodelle der Evolution zu stoßen. Das inkludiert auch die dort arbeitenden Menschen. Schon jetzt sprengt meine Vorfreude jegliche bekannten Maßstäbe.

Noch fünfzehn Minuten und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Andererseits frage ich mich das fast jedes Mal, wenn ich einen Blogpost schreibe, daher verzichte ich an dieser Stelle auf den Versuch diese höchst komplexe Frage zu beantworten.

Noch zehn Minuten und ich verabschiede mich nun von Ihnen. Doch seien Sie bitte nicht enttäuscht, denn wenn ich morgen wieder bei Verstand bin, bzw. bei dem, was nach heute Abend noch davon übrig ist, werde ich Ihnen berichten, was es mit diesem Foto auf sich hat:

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Nicht, dass Sie das für die gerade erlittene Enttäuschung entschädigen wird, aber seien wir ehrlich, selbst wenn ich gerade nicht nur der Schatten meiner selbst wäre, wäre mir Ihr Gemützustand herzhaft egal.

Dennoch wünsche ich Ihnen eine gute Nacht. Schlafen Sie gut und machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich werde überleben. Danke für Ihre ernsthaft geheuchelte Aufmerksamkeit und Anteilnahme.

 

Dienstag, 13. Dezember 2011

Cowardritis

Ich mag Geschichte.

Solange ich denken kann, mochte ich Geschichte.

Mit sieben war Quo Vadis mein Lieblingsfilm und wochenlang lief ich freudig salutierend durch Bonn - bis meine Mutter es verboten hat, weil mich die Leute für einen sehr kleinen Nazi im Micky-Maus-Pulli hielten.

Mit vierzehn wusste ich mehr über Ramses II. und Lee Harvey Oswald als meine Familie oder sonstige Menschen, die ungefragterweise meinen Weg kreuzten.

Mit einundzwanzig verbrachte ich die Pausen in der Berufsschule nicht mit den anderen Hochbegabten (har!) rauchend auf dem Hof, sondern allein auf dem Flur in Nazibiographien lesend. (Ja, ich hatte da nicht viele Freunde.)

Dass ich also Geschichte studierte, war nicht wirklich eine Überraschung.
Wenn ich während des Studiums dieses illustren Faches dann gefragt wurde, was man denn damit machen kann, sagte ich stets: "Alles. Und nichts."
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Dann war ich nach gefühlt 49 Semestern fertig mit dem Studium und dachte: "Ja. Puh. Und nu'?!"
 
Die Sache mit dem Promovieren war da irgendwie ein Selbstläufer. Ich habe mich seit Jahren mit fast nichts anderem als der Shoa beschäftigt, habe mein Herzblut in den jüdischem Widerstand gesteckt und mit nem 1-er Examen hatte ich auch nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Es schien die logische Konsequenz.

Aber vor allem schien es eine so wundervoll einfache und alle, wirklich alle zufriedenstellende Antwort:

"Und was machst du nach dem Studium?"

"Ich mache meinen Doktor und werde dann Koryph.. Chorifä.. hier.. dings.. einer, der sich extremst super mit was auskennt."

Also zog ich nach Berlin. Eigentlich nicht wegen der Promotion, aber es war der perfekte, offizielle Vorwand. Denn "Weil ich Sonntags so gerne über den Mauerpark flaniere." gilt in meinen Kreisen anscheinend nicht als akzeptabler Grund nach Berlin zu ziehen.

Ignorantes Pack.

"Weil ich meine Dissertation über Nazis schreibe und es in Berlin mehr Einrichtungen, Museen und Archive dazu gibt." hingegen scheint in Ordnung zu sein.

Elitäres Pack.

Nun bin ich hier. In Berlin. Seit August. Und seit November bin ich offizielle Doktorandin der Uni Potsdam. Alles gut, oder?!

Oder?!

ODER??!!?!

Ich könnte mich nun für ein Stipendium bewerben, innerhalb von drei Jahren das Ding runterreißen, anschließend ein Volontariat in einem großen historischen Museum absolvieren, mich von da an von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln und gleichzeitig gegen Wände laufen, um in der deutschen Forschung dem Thema Jüdischer Widerstand den Platz zu verschaffen, den er verdient, bevor ich mich dann mit sechzig, wie Joseph Wulf, verbittert und enttäuscht, aus dem Fenster stürze.

Yeah.

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Ich weiß, dass kommt jetzt alles ein wenig unerwartet: Aber isch möschte das nischt.

Ich kann mich immer noch stunden- und tagelang mit meinem Dissertationsthema beschäftigen ohne müde zu werden, ohne dass es mir langweilig wird, ohne dass ich das Interesse an den Menschen dahinter verliere, aber der Rest?!

Da könnte ich auch gleich morgen zum Tierarzt gehen und ihn bitten mich einzuschläfern. Das erspart mir doch vieles. Und die Putzkolonne, die mich sonst 2042 vom Bürgersteig kratzen darf, wird es mir ohnehin ewig danken.

Ich habe eigentlich eine recht unkomplizierte Sichtweise aufs Leben. Natürlich mag ich Geld und materielle Dinge. Ich habe schließlich ein iPhone und wenn ich hier einen auf Askese machen würde, wäre das schlicht unglaubwürdig.

Aber ich halte diese Dinge nicht für das, was einen glücklich machen. Langfristig. Wenn ich etwas mache, dann muss das für mich immer einen Sinn haben. Einen langfristigen.

Deswegen umgebe ich mich nicht mit Menschen, die ich nicht mag.

Ich lese kein Buch weiter, dass mich im ersten Kapitel nicht fesselt.

Ich esse kein Gericht auf, dass mir nicht schmeckt, nur weil es gekocht wurde und es nun da ist.

Das Leben ist zu kurz für diesen Firlefanz.

Das Leben ist zu kurz für Dinge, die einem keine Freude bereiten.

Ich weiß, ich blogge nicht zum ersten Mal über dieses Thema, aber als ich heute im Zug saß, zwei Stunden lang, und durch die dunkle Einöde Brandenburgs gen Potsdam zu meinem Doktorvater fuhr, der nicht da war, ist ja auch egal, es war ja nur ich, und ich dann wieder zurück fuhr durch Mordor, ich meine Brandenburg, und ich drei Kaninchen und eine Katze dabei beobachtete, wie sie versuchten, sich das Leben zu nehmen, da dachte ich nicht Das Leben ist zu kurz.

Ich dachte: Mein Leben ist zu kurz.

Ich springe aktuell zwischen mindestens vier verschiedenen Projekten hin und her und kann mit viel Glück und ganz viel Fantasie von einem erfolgreichen Tag sprechen, wenn ich es geschafft habe Geschirr zu spülen.

Tausend Baustellen.
24 Stunden.
100% Unzufriedenheit.

Und das stets mit der heisernen, flüsternden Stimme im Köpfchen, die mich wieder und wieder fragt: "Was zur Hölle machst du da eigentlich?"

Und die Antwort ist: "Scheisse. Ich habe keine Ahnung."

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Zum ersten Mal in meinem Leben könnte ich das machen, was ich möchte. Es ist auch nicht so, als wüsste ich nicht, was ich gerne täte.

Aber allein schon die Menge an Konjunktiven in diesem, letzten Satz verrät die Problematik. Ich leide an akuter Cowardritis. Ich fürchte mich so sehr davor zu scheitern, dass ich mich selbst daran hindere, es zu versuchen. Und dann bemitleide ich mich ganz fürchterlich, was nach einiger Zeit ein wenig fad wird, aber nicht so fad, dass ich deswegen damit aufhören würde. Und dann ist schon wieder ein Monat rum und ich dem Moment, in dem ich an Komplikationen während meiner Hüftoperation sterbe, wieder einen großen Schritt näher.

Worauf warte ich?

Auf eine Offenbarung?

Eine Epiphanie?!

Muss ich erst im Wedding in den Lauf einer Waffe blicken, um wahrhaft zu erkennen, dass das Leben kurz ist, muss ich erst fast von einem Bus überfahren werden, um zu verinnerlichen, dass ich jetzt leben muss?!

Gut, ich lebe in Berlin. Falls ich mich diesen Winter noch einmal entschließen sollte das Haus zu verlassen, könnte ich beide Situationen vermutlich innerhalb eines Tages erleben. Aber muss ich das? Braucht es erst eine Nahtoderfahrung, um meinem (theoretischen) Lebensmotto "If it makes you happy, do it. If it doesn't, then don't." endlich auch entsprechende Taten folgen zu lassen? Warum brauche ich einen Anlass?

Nur weil es verpönt ist zu scheitern?

Wieso eigentlich?

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Woher kommt diese Furcht vor dem Scheitern?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, nach heute habe ich diese Furcht nicht mehr.

Ich war in Brandenburg. Ich habe den Abgrund der Welt gesehen. Ich fürchte nichts mehr.

Die Frage ist nun, ob die Furchtlosigkeit morgen noch da ist oder ob ich jetzt jeden Tag nach Brandenburg fahren muss.

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Freitag, 9. Dezember 2011

Kumbaya

Wie es sich für einen oberflächlichen, besserwisserischen und die Fehler anderer ankreidenden Menschen gehört, bin ich natürlich katholisch. Genauer gesagt, war ich es. Ich wollte schon zu Schulzeiten aus der Kirche austreten, aber da ich mich auf einem erzbischöflichen Mädchengymnasium befand und man mir auf charmant-faschistoide Art versicherte, ich würde von der Schule fliegen, wenn ich derlei Ungehöriges täte, verschob ich es auf die Zeit nach dem Abitur.
Dass die Sache mit von-der-Schule-fliegen eine eiskalte Lüge war, kam später heraus und landete neben der Jungfrauen-Sache, Kreuzzügen, Inquisition und Kondompolitik mit auf der Liste der illustren Dinge, die als Gründe dienten, dem Verein den Rücken zu kehren.

Ich habe bis heute immer noch Kontakt zu aktiven Mitgliedern, die den Absprung nicht geschafft haben und die mir nicht selten versichern, dass ich zwar nun keine Kirchensteuer bezahlen müsste, ich aber so oft ich will aus der Kirche austreten kann, ich dennoch katholisch bleibe, bis es dem Papst oder einer sonstigen robentragenden Person reicht und ich exkommuniziert werde. Soll heißen: Ich kann nicht austreten, ich kann nur ausgetreten werden.

Und im Grunde meines Herzens bin ich auch katholisch geblieben.

Das bedeutet natürlich vor allem zwar die Botschaft unseres Herrn Jesus Christus zu kennen, aber nicht nach ihr zu leben. Soweit ich das verstanden habe, ist das die Kernessenz der Katholisch-Römischen Kirche und das kommt mir sehr gelegen, da ich natürlich unfassbar gerne wegen Armut, Ungerechtigkeit etc. etc. sehr, sehr betroffen bin und anderen Menschen schildere, was man unternehmen müsste, um das zu beheben, aber natürlich nicht wirklich die Zeit habe, um das dann auch selbst zu machen. Mein Geschirr spült sich nicht von alleine. Sollen sich doch bitte andere darum kümmern. Ich kann schließlich nicht alles machen.

Eine weiterer Kernpunkt der Katholischen Kirche ist natürlich der Widerwillen, die Abscheu und, ja, man möchte es fast puren Hass nennen, gegenüber diesen schismenzelebrierenden Freizeitvereinen, die da sonst noch so in der Welt vor sich hin glauben und beten. Denn das ist der Haken bei Religion: Toleranz ist bei einer Sache, die einen Alleinvertreter-Anspruch vertritt, jetzt nicht unbedingt erwünscht.

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Man kann nicht glauben, dass die Römisch-Katholische Kirche in Besitz der Wahrheit ist UND gleichzeitig sagen: "Hm. Die Mormomen haben aber vielleicht auch Recht."

Das ist so, als wenn Hitler sagen würde: "Wir sind die Herrenrasse. Aber die Russen sind es vielleicht auch, so genau kann ich das jetzt gar nicht sagen."

Jetzt möchte ich natürlich den Papst und Hitler nicht in einen Topf schmeissen, ich bin sicher, das erledigt Satan später, wenn sie in der Hölle aufeinandertreffen schon alleine. Ich stelle mir das wie eine muntere Bouillabaisse von allen Päpsten und sonstigen Massenmördern der Geschichte vor, die nun jahrtausendelang gemeinsam vor sich hinköcheln.

Nun, ganz offenbar bin ich kein Freund der katholischen Kirche. Dennoch bleibe ich in meinem Herzen katholisch. Wenn militante Atheisten meinen Weg kreuzen und mir geifernd Bibellügen aufzeigen, ohne jemals von der Septuaginta und anderen Spaßigkeiten gehört zu haben, ziehe ich gedanklich meine Bernardo-Gui-Maske an und suche schon mal die Streichhölzer für den Scheiterhaufen.

Es ist seltsam, wie wenig man nach all den Jahren doch aus seiner Haut kann. Oder will. Ich bin ein leidenschaftlicher Agnostiker, aber sobald ich Protestantenfleisch auch nur rieche, greife ich instinktiv nach meiner Handtaschenmachete.

Ich weiß im Grunde nichts über Protestanten. Und das muss ich auch nicht. Das ist das Vorrecht des Katholiken. Ich muss nur wissen, dass der Protestant wie alle Reformationsjünger ein freches Ding ist, das sich weigert Stiefel und Ring des Papstes zu lecken.

Wir hatten bei uns an der Schule auch evangelische Schülerinnen. Ich vermute, die Rektorin wurde erpresst, anders kann ich mir das nicht erklären. Und während wir einmal die Woche in die schuleigene Kirche zum schuleigenen Pfarrer pilgerten, um auf unseren wunden Knien unsere Unwürdigkeit gegenüber Gott zu versichern, saßen die Protestanten im Theatersaal im Kreis um einen Flügel, sangen Kumbaya und hatten sich ganz furchtbar lieb.

Das ist doch keine Religion.

Eine Religion funktioniert doch nicht durch Liebe.

Vor allem nicht die christliche.

Sie funktioniert durch Furcht!!

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Ich weiß, Jesus hat sich bei der Bergpredigt vielleicht ein wenig missverständlich ausgedrückt, aber Gott sei Dank haben die nachfolgenden Päpste das wieder ins rechte Licht gerückt.

Päpstliche Unfehlbarkeit for the win!

Ich werde auch weiterhin Agnostiker bleiben, wobei ich bei jedem Buch von Richard Dawkins mehr und mehr spüre wie ich hinüber auf die endgültige gottlose, dunkle Seite gleite. Ich werde weiterhin über den Papst fluchen. Ich werde weiterhin unwissenden Atheisten Nachhilfe in Kirchengeschichte geben. Ich werde weiterhin über jene den Kopf schütteln, die gläubige Mitglieder der katholischen Kirche sind. Ich werde weiterhin die evangelische Kirche als Freizeitverein bezeichnen.
Und ich werde all dies gleichzeitig tun.

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Mittwoch, 7. Dezember 2011

An das Volk

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DAS FOTO beschreibt zur Zeit so ziemlich genau meinen körperlichen und geistigen Zustand. Seitdem ich seit letzter Woche nun offizielle Doktorandin der Universität Potsdam bin, hat die Zeit des orientierungslosen Lotterdaseins ein jähes Ende gefunden.

Spürte ich erst letztlich den ganzen Stress des vergangenen Jahres von mir abfallen, die Tonnen von Bücher, die ich für die Magisterarbeit gelesen hatte, den Prüfungsstress, den ganzen damit verbundenen Schmodder, steht nun wieder eine Sackkarre voller Fachliteratur neben meinem aus Followerknochen geschnitzten Elfenbeinschreibtisch.

Und weil ich dachte: Mensch, das reicht ja noch nicht, der Tag hat schließlich 24 Stunden - also genau genommen hat er hier in Berlin aktuell nur ca. acht Stunden, die restlichen 16 Stunden verbringen wir in unseren Höhlen, zusammengekuschelt am Lagerfeuer und reichen abwechselnd Club Mate rum, während draußen das vor sich geht, was man nur mit ganz viel Euphemismus als Vorbote des Winters bezeichnen kann - ich persönlich nenne es schlicht die klimatische Wiedergeburt Stalingrads -, aber wie auch immer: Nachdem ich acht Stunden bei Tageslicht über spaßigen Texten und Karten über Ghettos und Konzentrationslager gehockt habe und deswegen Abends voll des Glücks bin

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und eigentlich dringend Alkohol oder vergleichbares bräuchte, um die Eindrücke des Tages hinfortzuspülen, bin ich ein artiges, fleißiges Mädchen [vor allem jedoch bin ich ein bankrottes Mädchen, das kein Geld für Alkohol hat..], und konzentriere mich stattdessen anschließend auf meine zwei anderen Babies, die beide unter dem wahnsinnig hohlen und naiven Topic "Kunst" laufen.

Als jemand mit preußischen Ahnen verstehe ich mich natürlich auf Zeitmanagement und Effizienz, jedoch hat auch mein Tag nur 24 Stunden und hin und wieder muss ich mich in meine Gruft zurückziehen und ein wenig schlafen.

Soll heißen, ich muss an einigen Stellen ein paar Abstriche machen.

Und mit an einigen Stellen meine ich das Blog.

Und mit ein paar Abstriche machen meine ich weniger bloggen.

Ich hatte mich Anfang November, nach dem Oktoberexperiment, darauf verständigt nun dreimal die Woche, jeweils Montags, Mittwochs und Freitags zu bloggen. Leider muss ich zu der Erkenntnis kommen, dass (und das fällt mir wirklich sehr schwer öffentlich zuzugeben) auch mir Grenzen gesetzt sind und ich es aktuell nicht schaffe, dreimal die Woche zu bloggen.

Vor allem wenn es nicht einfach nur rebloggte YouTube-Videos oder lustige Bildchen sein sollen:

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Daher, wertes Volk, höret, was ich beschlossen habe, als ich heute Nachmittag die jüdische Population in verschiedenen polnischen Städten vor Beginn des Krieges prüfte (Yeah, sounds like fun, doesn't it?!):

Von nun an werde ich nur noch zweimal die Woche bloggen.

Und zwar jeweils Dienstags und Donnerstags.

Und wenn ich von nun an sage, meine ich, ab nächster Woche. Es wird noch einen Post am Freitag geben, irgendein passendes YouTube-Video werde ich schon noch auftreiben, und danach gilt die Dienstag-Donnerstag-Regel.

Cause that's my blog and I make the motherfucking rules.

Und immer dran denken: Das hat nichts mit euch zu tun, die Anzahl der Posts sagt nichts über meine Gefühle zu meiner Leserschaft aus. Ich liebe euch auch weiterhin wie eine Mutter. Zwar vorrangig wie eine Mutter, die ihre Kinder am liebsten im Wald aussetzen würde, weil sie anfangen zu schreien, wenn man dabei ist 'America's Next Topmodel' zu gucken, aber dennoch wie eine Mutter, und dieses Band wird uns niemand nehmen können.

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Montag, 5. Dezember 2011

Privileg

Letzte Woche legte ich eine Nachtsitzung am Zeichentisch ein und aus sehr unintellektuellen Gründen dudelte die gesamte Zeit RTL.now im Hintergrund. Genauer gesagt 'Mitten im Leben'. Ich habe diese Sendung über das Leben des menschlichen Amöbentums einige Monate nicht gesehen und mir ist durchaus bewusst, dass das dramageile RTL gerne ein wenig nachhilft, um aus den gezeigten Menschen übelkeiterregende Schicksale zu machen und den Alltag im Plattenbau der Bundesrepublik in ein Elend zu verwandeln, bei deren Anblick selbst in Kartons hausende Menschen in Kalkutta das blanke Entsetzen und/oder Mitleid packt.

Mitten im leben

Sendungen dieser Art sind (natürlich!!) ein Merkmal der voyeuristischen Verdorbenheit unserer Gesellschaft. Und mit Gesellschaft meine ich den Zuschauer. Und mit Zuschauer meine ich mich. Wobei diese Sendungen im Grunde nichts anderes sind, als das neuzeitliche Pendant zum heiteren Familiennachmittag im Colosseum. Wir können uns also damit trösten, dass wir uns schon immer gerne am Leid anderer ergötzt haben.

[Mein persönlicher Tiefpunkt wurde übrigens kürzlich bei Sat1 mit der Sendung 'Schwer verliebt' erreicht, die ich dummerweise sah, als ich gerade beim Abendessen war. Fremdschämen und Ekel, das war zuviel für meine zarte Seele.]

Nun, Amoral der Fernsehsender hin oder her. Scripted Reality hin oder her. Darum geht es mir eigentlich gar nicht.

Mir geht es darum, dass Mitgefühl mit den Cindys, den Schakiras und Klaudias, den Brians, den Kevins und Marvins völlig unangebracht ist.

Niemand zwingt diese Menschen sich bei RTL etc. zu bewerben und in diesen Sendungen mitzumachen. Sie werden nicht gefoltert und zur Vertragsunterzeichnung genötigt. Man kann ihre Gründe, diese Verträge zu unterzeichnen, vielleicht nicht verstehen oder gutheißen oder was auch immer. Die eigentlichen Gründe sind aber auch piepegal. Denn unabhängig von der dazugehörigen Erklärung, die Entscheidung bleibt so oder so eine unfassbar dumme.

Jetzt kann man freilich sagen, ihnen fehlt die geistige Voraussetzung, um abschätzen zu können, was sie da machen. Als wäre Dummheit eine Art von geistiger Behinderung. Solange aber Dummheit in der ICD-10 nicht als Krankheit oder ähnliches gelistet ist und anhand der Tatsache, dass in diesem Fall diese Menschen gar keine Verträge unterzeichnen dürften, sehe ich Dummheit als etwas selbst verschuldetes an.

Jeder, der die Grundschule besucht hat, und anschließend über die sagenumwobene Fähigkeit des Lesens verfügt, hat keine Entschuldigung für mangelndes Wissen. Denn, wenn er Dinge nicht weiß, dann nicht, weil er sie nicht wissen kann, sondern weil er, aus welchen Gründen auch immer, sich zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens dazu entschlossen hat, nicht wissen zu wollen. Je früher dieser Zeitpunkt im Leben liegt, desto höher die Dummheit.

Natürlich kann man nun Faktoren wie Schulbildung nennen, familiäre Vorgeschichte, persönliches Umfeld etc. etc. etc.

Kann man.

Man kann dieselben Faktoren übrigens auch nennen, um zu erklären, warum Rudolf Höß der wurde, der er nun mal wurde.

So etwas erklärt vielleicht, warum jemand dieses tut und jenes lässt.

Aber das entschuldigt es nicht.

Und dieser kleine, feine Unterschied scheint manch einem ja bis heute enorme Probleme zu bereiten.
Jetzt ist Dummheit per se natürlich nicht strafbar und für Außenstehende erstmal nur anstrengend und hin und wieder unterhaltsam. Was mich jedoch beunruhigt, ist das Wissen, dass diese Menschen wählen dürfen.

Security dude

Demokratie, so in der Theorie, ist ja eine dufte Sache. Aber halt auch nur in der Theorie. Die Herrschaft des Volkes stellt recht fix ein Problem dar, wenn das Volk den Intellekt eines zugekoksten Goldhamsters hat. Was bekannterweise seit rund 3.000 Jahren der Fall ist (s.o.).

Jeder, der nun ein wenig Ahnung von Geschichte hat, weiß vielleicht, dass früher, in der guten, alten Antike, der Gedanke, dass alle Menschen gleich seien und dementsprechend die selben Rechte hätten, nur Gelächter auslöste.

Menschenwürde war eine Auszeichnung und nur ein bestimmter Personenkreis hatte das Privileg an der Politik teilzuhaben. Was wir heute als Rechte verteilen, als wäre es Gratiskonfekt, war damals ein Privileg. Und das sollte es wieder sein.

Um mich verständlich auszudrücken, diesen ganzen Wumms an Rechten bezüglich Meinungsfreiheit etc. können'se gerne alle behalten, ich rede hier nur davon, dass das Recht an politischer Beteiligung kein Recht, sondern ein Privileg sein sollte.

Nun.

Wie soll man entscheiden, wer wählen darf? Bzw. wer soll das entscheiden? Da liegt der Hase im Pfeffer begraben, was?!

Für den Anfang bin ich schon mal dafür alle Menschen, die sich bei Sendungen wie 'Mitten im Leben', 'Frauentausch', 'Schwiegertochter gesucht' bewerben, sowohl vom aktiven als auch passiven Wahlrecht auszuschließen.

Ferner alle Menschen, die weiße Stiefel tragen.

Männer mit Dauerwelle und/oder Gürteltasche.

Daniela Katzenberger.

Menschen, die meinen Club Mate würde gut schmecken.

Für weitere Vorschläge bin ich natürlich offen, die Liste kann bis in die Unendlichkeit erweitert werden. Wichtig natürlich ist, dass die Vorschläge genauso fundiert sind, wie die von mir genannten Beispiele.

Wir wollen ja schließlich sachlich bleiben hier.

 [Some of the images are found on tumbl (or somewhere else on the internet). If I violated any copyrights you might have, please do not hesitate to contact me and I will remove the picture.] 

Freitag, 2. Dezember 2011

Literaturscheiss

Die Frau an sich rödelt ja gerne. Rödelt einfach so vor sich hin. Stundenlang. Manchmal jahrelang. Ohne Nahrung zu sich nehmen zu müssen. Wie eine verstrahlungsresistente Kakerlake. Und als ich die Tage in meinem Bettkasten hockte und so vor mich hinrödelte, fand ich eine Liste von Ratschlägen für kreatives Schreiben von dem großartigen Kurt Vonnegut (denn dies sind Dinge, die rödelnde Frauen gerne in ihren Bettkästen aufbewahren). Und einen dieser Ratschläge möchte ich mit euch teilen:
"Schreiben Sie so, dass es nur einem einzigen Menschen gefällt. Wenn Sie ein Fenster aufreißen und es mit der ganzen Welt treiben, zieht sich Ihre Geschichte eine Lungenentzündung zu."
Denn das hat mich an etwas erinnert: Ich wollte doch schreiben, wenn ich in Berlin bin. Ich meine richtig schreiben. Nicht das hier. Und da meine Versuche einen Job zu finden, ohnehin eher so lala verlaufen, hätte ich auch die Zeit.. Obwohl ich mich natürlich auch weiterhin professionell wie eh und je dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen würde:

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Ich habe mich in der Vergangenheit einfach zu leicht von meinem Literaturscheiss ablenken lassen. Das muss aufhören. Ich werde ja auch nicht jünger. Ich gehe stramm auf die fünfzig zu. Warum warten, bis ich eine künstliche Hüfte kriege und mir in der Reha endlich die nötige Zeit nehme, um zu schreiben?!

Also - wie jedes Jahr - sehe ich mal wieder die Zeit gekommen, um auch 2011 erneut den feierlichen Schwur zu leisten und öffentlich kundzutun, mich von nun an mehr dem Schreiben widmen zu wollen, endlich das Buch zu schreiben, das keiner braucht und auf das keiner wartet, einfach, weil es das ist, was ich seit Jahren machen will, und mich durch nichts, aber auch gar nüschts davon ablenken zu lassen!!

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Und ich bin extremst zuversichtlich, dass dieses Mal der Schwur eingehalten wird. Weil, wo kämen wir denn dahin, wenn ich diese Zuversicht aufgeben würde?!


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