
Also fast.

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Sie sind immer noch Single?
Sie sind angesichts dieses Zustands unglücklich?
Aber Sie haben an Silvester zumindest ein flottes Date klargemacht und hoffen nun, dass Sie den Penisträger bezirzen und ihn für das kommende Jahr als Herzblatt gewinnen können?!
Sie hatten diese Hoffnung jedoch auch schon an den fünf Silvesterabenden der letzten Jahren und aus Gründen, die sich Ihnen nicht erschließen, hat es nicht geklappt?!
Keine Sorge.
Ich bin ja da.
Und ich hätte hier ein paar Tipps, die Sie aufgrund Ihrer ansonsten aussichtslosen und tragischen Existenz vielleicht besser nicht ignorieren sollten:


Ich bin sehr sicher, wenn Sie diese simplen Ratschläge befolgen, wird das 2012 auch was mit der Liebe. Und falls Sie den Verdacht haben, dass er trotzdem nicht anbeisst, herrje, dann fummeln Sie zumindest ein bisschen auf dem Autorücksitz, damit der Abend nicht völlig umsonst war.
In diesem Sinne: Feiert schön. Und immer an Verhütung denken!
Der Geschichtsunterricht an meinem Gymnasium war eine Farce. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Ich weiß nicht, ob es an meinem Geschichtslehrer selbst lag oder an mangelnder Absprache innerhalb der Schule. Wir nahmen gefühlte fünfzehn Mal die Französische Revolution durch, etwa sieben Mal den Ersten Weltkrieg und geschätzte 7.924-mal den Zweiten Weltkrieg. Ansonsten lauschten wir hauptsächlich Urlaubsmonologen unseres Lehrers Rudolf R., der versuchte die ihm beim Ägyptenurlaub angedrehten Papyruszeichnungen an uns weiter zu verkaufen.
Dementsprechend hegte ich spätestens ab der Mittelstufe eine gewisse Abneigung gegen Hitler und alles, was mit dem Seitenscheitel zusammenhing. Jetzt ist es generell nicht schlecht, sondern eher erstrebenswert, eine gewisse Abneigung gegen Hitler zu entwickeln. Aber wie fast jeder in meiner Generation wurde ich regelrecht überfüttert mit diesem Thema und begann automatisch mit den Augen zu rollen, wenn jemand in Hörweite was von der NSDAP, Polenfeldzug, Stauffenberg oder Holocaust sagte.
Die Generation, die es noch betraf, schwieg es tot.
Die nächste redete das Thema zu Grabe.
Und die jetzige fragt sich, warum es, wie ein Zombie, immer und immer aus eben diesem Grabe aufersteht und nicht endlich liegenbleibt.
Ich weiß nicht mehr, wieso oder wann es passierte, aber irgendwann begann sich meine Einstellung zu diesem Thema zu ändern. Die Gesichter bekamen Namen, zu den Namen gesellten sich ihre Geschichten und plötzlich waren es keine Unbekannten mehr, es waren greifbare Menschen und ihre Geschichten glichen nicht denen von anderen.
Da war kein Zauber der Vergangenheit, kein Pathos, keine Mythen, keine gordischen Knoten, die durchschlagen wurden, kein Häuflein mutiger Griechen, die sich an den Thermopylen todesmutig den Persern entgegen stellten, keine Vipern, die an wogende Pharaonenbrüste gedrückt wurden.
Da waren nur Menschen. Gewöhnliche Menschen. So durchschnittlich, so normal, dass sie beinahe farblos wirken. Durchschnittliche Menschen die auf andere durchschnittliche Menschen trafen. Geronnenes Blut auf nacktem Asphalt. Pistolenschüsse, die die Stille eines Ghettos durchrissen. Tuckernde Automotoren, die Abgase ins Innere pumpten. Der Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft. Haufen von blassem, weißen Fleisch auf noch mehr blassem, weißen Fleisch. Leblos. Kafkaesk. Albtraumhaft. Zwölf Jahre, die die Abgründe einer Spezies bloßlegten, wie es rund 3.000 Jahre menschliche Geschichte zuvor nicht geschafft hatten.
Dieses Thema interessiert mich nicht, weil ich Deutsche bin.
Ich bin nicht Atlas, ich trage nicht die fleischgewordene Schuld eines Volkes auf meinen Schultern.
Es gibt eine derartige Schuld nicht.
Es gibt nur das Entsetzen, wozu meine eigene Art fähig ist. Und meine ureigenste Eigenschaft immer wieder aufs Neue entsetzt zu sein, dass die Evolution etwas hervorgebracht hat, was dermaßen gestört sein kann.
Nichts, was ich jemals tun würde, würde daran etwas ändern. Weil der Mensch sich nicht ändern kann. Er ist was er ist. Ein Wolf. Und ein Lamm zugleich.
Irgendwann, in einigen hundert Jahren wird die Shoa mit denselben Blicken betrachtet wie das Massaker Alexanders an den Thebanern, wie die Pogrome im Mittelalter. Als etwas unwirkliches in der Vergangenheit. Nebulös. Abstrakt. Etwas was unbekannten, namenlosen Gesichtern passierte.
Auch dann wird man noch wissen, wer Adolf Hitler war.
Doch niemand wird wissen, Wikipedia hin oder her, wer Mala Zimetbaum war.
Wir tragen nicht die Schuld an der Shoa.
Wir tragen lediglich die Schuld, dass die Menschen dahinter vergessen werden.
Und das ist vermutlich der Grund, der einzige, warum ich mich nicht so einfach entscheiden kann, die Dissertation hinzuschmeissen. Weil ich diese Menschen kenne. Ihre Gesichter, ihre Geschichten, ihren Alltag, ihr Leben, ihr Leiden, ihren Kampf, ihre Entschlossenheit, ihren Mut. Ihnen den Rücken zu kehren, mich anderen Dingen zu widmen, dem Hier und Jetzt, fühlt sich für mich falsch an.
Und ich kann nichts gegen dieses Gefühl tun.
Es ist ja so.
Es ist zwar Donnerstag.
Aber es ist auch kurz vor Weihnachten.
Und ich bin in Bonn.
Und es ist schon spät, weil ich hier.. dings.. Menschen treffen und so.. Geschenke kaufen.. Poffertjes essen.. Weihnachtsmarkt mit meiner Anwesenheit belästigen.. Holzspielzeug und ausgefallene Kerzen begaffen.. Glühwein trinken.. heißen Kakao mit Baileys trinken.. Punch trinken.. etc. etc. Dieses Real Life ist halt nix für jeden und es nimmt mich vollends in Beschlag.
Aber ich vermute, euch geht es da nicht anders. Daher wünsche ich euch an dieser Stelle, statt eines schnoddrigmotzenden Posts, nur schöne Festtage, egal, ob ihr sie alleine, im Kreise eurer Lieben oder (!) eurer Familie verbringt.
Wir hören in einer Woche wieder von einander, wenn der ganze Wahnsinn vorbei, die Geschenke verteilt bzw. wieder umgetauscht wurden und ich vor allem wieder in Berlin bin.
Bis dahin: Seid nett zu einander. Lächelt. Oder täuscht zumindest ein Lächeln vor. Denn darum geht es an Weihnachten: Eisern so zu tun, als hätte man alle ganz doll lieb und als wünsche man sich nicht gerade ans andere Ende der Welt.
Und nun entschuldigt mich bitte, ich muss bis Samstag noch ein paar Weihnachtskarten basteln.
Und immer daran denken: Ich hab' euch *hust* ganz doll lieb.



Es ist halb zwölf. Nachts. Ich habe vor wenigen Minuten die Tür hinter mir geschlossen. Erneut habe ich zwei Stunden gebraucht, um mich bis in diese kleindeutsche Exklave der Stadt Berlin durchzuschlagen. Zombiesk sitze ich blinzelnd am Schreibtisch, starre auf die Uhr, die mir drohend verkündet, dass ich noch etwa 25 Minuten für diesen Post habe. Ich habe keine Kraft zum gleichzeitigen Denken und Tippen, denn ich brauche meine ganze Energie, um meinen Schädel daran zu hindern, mit ganz viel Kawumms auf die Tastatur zu knallen. Es ist schließlich eine weiße Apple Tastatur und ich bin recht sicher, dass ich das Blut und die Gehirnbrösel nur schwer wieder aus den Tastaturzwischenräumen popeln kann. Und dazu habe ich aktuell wirklich keinen Nerv.
Ich mache mir einen großen Becher heißen Kakao mit Sahne und einem Schuss Amarula, okay, eigentlich ist es der Putzeimer aus der Küche, in den ich zwei Flaschen Amarula, eine Dose Sprühsahne und einen Schuss heißen Kakao gegossen habe, aber wer will um diese Uhrzeit denn kleinlich sein? Doch weder der "Kakao" noch eine aktuelle Folge "Mitten im Leben" aus der RTL-Mediathek schafft es meinen übernächtigten Geist zu erwecken.
Noch zwanzig Minuten bis Mitternacht. Irgendjemand aus dem intellektuellen Prekariat möchte bei "Mitten im Leben" unbedingt schwanger werden und Sinn und Zweck der natürlichen Selektion erneut ad absurdum führen. In sechs Stunden klingelt der Wecker, da ich zum Jobcenter fahren muss, um dort auf weitere Auslaufmodelle der Evolution zu stoßen. Das inkludiert auch die dort arbeitenden Menschen. Schon jetzt sprengt meine Vorfreude jegliche bekannten Maßstäbe.
Noch fünfzehn Minuten und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Andererseits frage ich mich das fast jedes Mal, wenn ich einen Blogpost schreibe, daher verzichte ich an dieser Stelle auf den Versuch diese höchst komplexe Frage zu beantworten.
Noch zehn Minuten und ich verabschiede mich nun von Ihnen. Doch seien Sie bitte nicht enttäuscht, denn wenn ich morgen wieder bei Verstand bin, bzw. bei dem, was nach heute Abend noch davon übrig ist, werde ich Ihnen berichten, was es mit diesem Foto auf sich hat:

Nicht, dass Sie das für die gerade erlittene Enttäuschung entschädigen wird, aber seien wir ehrlich, selbst wenn ich gerade nicht nur der Schatten meiner selbst wäre, wäre mir Ihr Gemützustand herzhaft egal.
Dennoch wünsche ich Ihnen eine gute Nacht. Schlafen Sie gut und machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich werde überleben. Danke für Ihre ernsthaft geheuchelte Aufmerksamkeit und Anteilnahme.











"Schreiben Sie so, dass es nur einem einzigen Menschen gefällt. Wenn Sie ein Fenster aufreißen und es mit der ganzen Welt treiben, zieht sich Ihre Geschichte eine Lungenentzündung zu."


