Freitag, 29. Mai 2009

agnostizismus vs. atheismus

Welch illustre Lektüre wählte ich mir für diesen Sommer..



Das gute Ding befindet sich schon eine Weile in meinem bescheidenden Besitz, bisher fehlte mir, als fleißige Studentin, jedoch die Zeit es zu lesen. Schändlich, ich weiß.
Ich wehre mich ja mit Händen und Füßen seit einiger Zeit dagegen von den Agnostikern zu den Atheisten zu wechseln. Ich kann meinen Widerwillen kaum begründen. Vielleicht denke ich, dass Atheismus nichts anderes als ein Nicht-Glaube ist, das denselben unbewiesenen, absoluten Wahrheitsanspruch hat, wie eine Religion. Atheismus als Nicht-Religion?!
Und dennoch spüre ich den innerlichen Wandel. Ungewollt und ungeplant. Sehe ich einen Beitrag über den Islam, das Christentum oder setze ich mich aus Neugier oberflächlich mit den Mormonen auseinander, schießt mir immer nur ein Wort durch den Kopf:

Mumpitz.




Ich bin (noch) der Ansicht, dass ich als Agnostiker den Gläubigen dieser Welt Toleranz entgegenbringen sollte. Etwas, was mir, so meine ich, als Atheist nicht möglich sein wird.
Und dennoch, mit jeder Seite, die ich lese, merke ich, wie ich innerlich zustimmend mit dem Kopf nicke. Manchmal lache ich halblaut auf und kann nicht umhin, meiner Umgebung (erwünscht oder nicht) Auszüge vorzulesen. Absatz für Absatz, Zeile für Zeile packt Dawkins meine agnostischen Glieder und zieht sie rüber zu sich in seine gottlose Welt - okay, das war jetzt einen Hauch zu dramatisch..
Und dabei geht dieser Dawkins auf eine sehr skrupellose Art und Weise vor: er benutzt seine ratio und fordert meine unverschämter Weise auf nachzuziehen.



Da wünscht man sich hin und wieder doch ein wenig dümmer zu sein und seine Argumente nicht ganz so einleuchtend zu finden. Ich bin auf S. 78 und habe den vagen Verdacht, dass ich, am Ende des Buches angekommen, mit Fahnen und Plakaten behangen durch die Bonner Innenstadt streifen werde, um gegen den Irrsinn des Glaubens zu demonstrieren.


P.S.: Es war übrigens nicht einfach, in diesem Post kein einziges Mal "ich glaube" zu schreiben..

Sonntag, 24. Mai 2009

Mormon und Moroni

Am Sonntag Morgen finde ich endlich die Ruhe die liegen gebliebenen SPIEGEL durchzuackern. Dabei stoße ich auf einen Artikel über den Ursprung der moralisch fragwürdigen Verhörmethoden der CIA im nie endenwollenden Krieg gegen den Terror. Obama hatte die ganze Welt ja erst letztens ein wenig enttäuscht, weil er bezüglich Aufarbeitung nicht ganz so vorgehen will, wie wir es alle gerne hätten. Aber darum geht es mir nun nicht.

In dem Artikel stand, dass die speziellen Foltermethoden (die ja allesamt nicht neu erdacht wurden) von zwei Psychologen für die CIA weiterentwickelt wurden. Bruce Jessen und James Mitchell. Beide waren Ausbilder im SERE-Programm, einem Militärprogramm, dass Soldaten auf den Fall einer Gefangennahme vorbereitet. Folter auf Probe sozusagen. Sieht man Bilder von Jessen und Mitchell könnte man sie auch einfach für Bösewichter aus einem Film halten.
Das schöne bei den Beiden ist nun, sie sind beide überzeugte Mormonen. Als ich das las, wurde ich ein wenig stutzig. Mormonen? Waren das nicht Christen? So, strenge? Ach ne, das waren diese Amish. Gehörten mal zu den Mennoniten. Bei den amerikanischen Glaubensgemeinschaften soll mal einer den Überblick behalten. Und was waren jetzt die Mormonen? Ich forschte nach. Schließlich wusste ich nicht recht, wie man hauptberuflich überzeugter Christ (Nächstenliebe, Güte etc. etc.) sein kann und als Hobby Waterboarding betreibt!?

Die Mormonen glauben an einen Propheten, logischerweise mit dem Namen Mormon, der im 4. Jahrhundert nach Christus in Amerika gelebt haben soll. Im Buch Mormon werden einige dufte Städte und Stämme genannt, von denen kein Historiker wohl je gehört hat. Was die Mormonen ja nicht hindert, das Buch als Geschichtswerk anzusehen (so wie mancher Katholik das Neue Testament). Da das ganze ein wenig verwirrend erzählt ist und auch ein klein wenig absurd wirkt, soll auf den Inhalt des Buches nicht näher eingegangen werden.
Jetzt kam es aber im 19. Jahrhundert dazu, dass der Sohn Mormons, mit dem schönen Namen Moroni, sich dem Amerikaner Joseph Smith zu erkennen gab (nachdem jener auch schon mal mit Gott und dessen Sohn persönlich verkehrt hatte), als so eine Art Engel, der Smith auftrug die Heiligen Schriften ins Englische zu übersetzen. Und Zack! (so schnell geht das) hatte man eine neue Religion gegründet.

Auch wenn sich die wundervolle Welt der Mormonen mir überraschend komplex und wahnwitzig präsentiert - und ich nicht sicher bin, was ich von einem Menschen halten soll, der an das Buch Mormon glaubt - erschließt sich mir recht schnell, dass Mormonen (schließlich stammte Mormon ja aus dem Stamm der Nephiten, die mal ein Stamm Israels waren *unterdrückteslachen* und dann nach Amerika ausgewandert sind, woraus sich der Patriotismus der Mormonen ergibt) als geistige Ur-Amerikaner zum gnadenlosen Patriotismus ja beinahe verpflichtet sind. Christliche Nächstenliebe kommt da an dritter Stelle, nach der Vielehe. Somit steht Folter auch nicht im absoluten Gegensatz zum christlichen Glauben.

Ist ja für eine gute Sache, für Amerika. Das Heilige Land der Mormonen. Na dann, alles klar, wieder was gelernt..


Samstag, 9. Mai 2009

Bye Nile. Hello Red Sea.

Am neunten Tage bin ich nun schlussendlich an der (beinahe) letzten Station meiner Reise angekommen (es waere die letzte Station, wenn ich fuer meinen Rueckflug nicht wieder nach Kairo muesste): Hurghada.

Viele, viele, viiiiieeeeleee Autostunden liegen hinter mir und ich bin nun mehr als bereit fuer eine Woche Sonne, Strand und Meer - Moment.. Wo ist die Sonne? Seit beinahe vier Tagen haengt ueber Aegypten ein Wolkenteppich. Am Anfang als noch ganz angenehm empfunden, war der Spass spaetestens dann zu Ende, als ich am Freitag Morgen, nein, eher Freitag Nacht, von 3.15-3.50h auf meinen Fahrer nach Abu Simbel warten musste - im Regen. Ich wiederhole es gerne noch einmal: IM REGEN!! (Fuer die, die es verpasst haben, ich bin in Aegypten. Nordafrika, Wuestenstaat, Trockenheit, bruetende Hitze, NIX REGEN!!)

Gestern war aber ohnehin so ein Tag, an dem ich die meiste Zeit nur Woerter auf meinen Lippen hatte, die mit fuck anfingen. Langsam faengt Aegypten an mich zu zermuerben. Diese Leute hier, das Chaos. DIE UNORDNUNG. Buhuuu.. wie kann man nur so unorganisiert sein? Furchtbar!!!

Ich hoffe, all das wird nun anders. Sechs Tage Urlaub liegen vor mir. Kein Kulturteil, den es zu absolvieren gilt. Nur lesen, entspannen, faulenzen. Und glaubt man den Wetterprognosen des Internets, dann findet die Sonne alsbald ihren Weg zurueck nach Nordwestafrika.

Waere ja noch schoener, wenn ich mit meiner deutschen Leichenblaesse wiederkaeme.

Und ich bezweifel arg, dass ich hier irgendwo ein Solarium finde.....


Donnerstag, 7. Mai 2009

Luxor und Assuan

Wenige Tage spaeter finde ich mich in Assuan wieder. Zu meiner eigenen Ueberraschung habe ich es tatsaechlich ohne groessere Probleme nach Luxor geschafft. Und zu meiner weiteren Ueberraschung ist Luxor nach diesem semi-ekligen Kairo eine Wohltat gewesen. Alles viel gruener und sauberer.. nur die Aegypter, die sind immer noch genauso aufdringlich wie in Kairo. Ich habe den starken Verdacht, dass DIE ueberall im Land gleich sind.

In Luxor habe ich selbstverstaendlich den Karnaktempel besucht (ja, holla, da war jemand aber mal tief beeindruckt!!) und den Luxortempel (ja, ehm.. auch ganz nett..). Und ich war natuerlich auch im Tal der Koenige. Ich moechte dazu nur eines sagen: Menschen mit Atemproblemen, Angst vor engen Raeumen, insbesondere metertief unter der Erde, oder allgemein Hypochonder und Konsorten koennen sich die Graber von vornerein auch einfach sparen. So schnell wie ich da wieder raus war....

Ansonsten habe ich eeeeeeeeeeeentsetzliiiiiich viel in der Sonne am Pool gelegen und habe nun ein kleines Sonnenbraendchen auf meinem Naeschen. Soviel zu Luxor.
Eines noch: entweder ist meine Kamera ein energiefressendes Ungetuem, oder es liegt an der Sonne oder alle verfi#@$*ten Batterien dieser Welt haben eine kuerzere Lebenslaufzeit als frueher. Ich verpulvere die Dinger hier wie Taschentuecher. Und die Aegypter wollen natuerlich super viel Kohle dafuer haben... ts, ts..

Wie auch immer, jetzt bin ich in Assuan. Bin mit dem Zug gefahren. 1. Klasse. Moment, ich muss mal gerade kurz ein wenig lachen.. 1. Klasse... also, das was man hier unter erster Klasse versteht. ICH WILL GAR NICHT WISSEN WIE DIE ANDEREN ABTEILE AUSSEHEN!!?
Morgen frueh geht es um vier Uhr morgens nach Abu Simbel im Sicherheitskonvoi. Hui hui. Dann am Samstag wieder zurueck nach Luxor und weiter nach Hurghada, wo ich mit meiner Frau Mama zusammenstossen werde.

Und nun entschuldigt mich bitte, ich werde mir ein typisch aegyptisches Gericht aufs Zimmer bestellen (Spagetti Bolognese) und da ich ARD habe Telenovelas vom Balkon aus schauen.

Montag, 4. Mai 2009

Kairo

Ein kurzer Zwischenbericht, waehrend ich die Stunden bis zu meiner Abfahrt tot schlage..

Meine Tage in Kairo neigen sich dem Ende zu. Es war im Grunde so, wie ich es erwartet habe. Chaotisch. Laut. Muellig. Staubig.
Das Hotel ist soweit in Ordnung, habe schon schlimmer (aber auch schon besser) gehaust.
Zu den Aegyptern kann ich im Moment soviel sagen: es gibt von ihnen zwei Sorten, die einen wollen dir was verkaufen, die anderen ignorieren dich. Ich kann nicht sagen, was ich schlimmer bzw. besser finden soll. Das eine nervt und das andere verletzt meine zarte Seele.
Ansonsten habe ich natuerlich die Pyramiden mir angeschaut (joah.. ganz nett.. Steine halt) und war im Aegyptischen Museum (ziemlich chaotisch anmutende Ansammlung von Gegenstaenden.. ausserdem tun mir die Mumien leid. Die gehoeren in ein Grab).
Und ich bin, wie es sich fuer einen Touristen gehoert, ordentlich ausgenommen worden. Diese Aegypter habens halt drauf. Nun bin ich im Besitz von zwei Papyrusbildern und einer Flasche Parfum mit dem Namen "Cleopatra Bath".. Lacht nicht!! Ihr haettet euch auch nicht wehren koennen.

Eigentlich wollte ich heute morgen mit dem Zug nach Luxor fahren, aber vor wenigen Monaten gab es in Kairo ein Bombenattentat auf ein touristisches Zentrum, weswegen es Auslaendern momentan verboten ist tagsueber mit dem Zug zu fahren. Daher bin ich gezwungen heute Abend mit dem Zug zu fahren, wo ich natuerlich nicht sonderlich viel von der Landschaft mitbekommen werde. Das hat die Nacht so an sich..

Ich bin noch nicht sicher, wie die Reisemoeglichkeiten dann ab Luxor sein werden. Ich kann nicht jedesmal mit dem Sleeper fahren. Ausserdem verkehrt zwischen Hurghada und Restaegypten sowieso keine Zugverbindung, ich muesste dann wieder gaaaaanz zurueck nach Kairo und dann nach Hurghada fliegen. Darauf haette ich, gelinde gesagt, wenig Lust. Aber warten wir mal ab. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt (ich glaube der Spruch wurde fuer diese Laender erfunden). Ich bin im Moment noch ganz Zen und lasse alles auf mich zukommen. Aendern kann ich in diesem Land ohnehin nix.

Und was das Wetter angeht. Warm ist es natuerlich schon, nur "sonnig" wuerde ich es nicht nennen. Ich weiss nicht, ob das normal ist fuer Kairo, aber die halbe Wueste verirrt sich staendig in die Stadt. Gestern Abend habe ich noch eine kurze Runde gedreht und musste mir danach erstmal den Sand aus den Zaehnen puhlen.

So, ich will dann mal. Ich hoffe instaendig, dass ich in wenigen Stunden im Zug gen Luxor sitze. Bis dahin kann noch einiges schief gehen (z.B. bin ich nicht wirklich sicher, ob der Zug ab Gizeh oder ab Kairo faehrt... aber ich bin ja total Zen..).

Ich gruesse die Heimat (auf die ich mich jetzt schon freue)!!
Bis bald - hoffentlich aus Luxor!!